FIM Endurance World Championship 2018 – 24h Rennen Le Mans

FIM Endurance World Championship 2017/2018

24h Rennen Le Mans 2018 …

… endlich war es soweit.

Aber einmal alles von vorne:
Ich und meine Chefin sind am Montag, nach einer langen >1000km Anfahrt, mit etlichen Staus, endlich in Le Mans an der Rennstrecke angekommen.
Das Team war bereits fleißig und hat die Box bereits fertig eingerichtet gehabt.
Ich packte noch schnell meinen Krempel aus und dann ging es bereits das erste Mal auf die Strecke.
Mit dem Fahrrad drehten ich und MO (Johannes Hofmann) gleich drei Runden, um die für uns beide neue Strecke kennenzulernen.
Die Strecke gefiel mir auf Anhieb richtig gut.

Am Dienstag hatten wir dann einen Testtag für alle Teams.
2x 3 Stunden Training standen uns an diesem Tag zur Verfügung.
Wir nutzten die Zeit, um uns auf die Strecke einzuschießen, was uns allen sehr gut gelang.
Desweiten wurde festgelegt, welche Reifenmischungen fürs Rennen in Frage kommen.

Am Mittwoch hatten wir dann eigentlich unseren freien Tag.
Der war allerdings nur frei von jeglicher Rennaction auf der Strecke.
Wir hatten bereits recht früh unseren Abnahmetermin für Fahrerbekleidung und Motorräder.
Danach direkt in die Stadt.
Vor der Kathedrale in Le Mans wurde das diesjährige Fahrer-Gruppen-Foto gemacht.
Im Kino nebenan bekamen wir dann unser Riders-Briefing und einen Anti-Doping-Vortrag.
Und schon war der Mittwoch auch wieder vorbei und aus dem geplanten Ruhetag zum Kräftesammeln war für der Katz.

Donnerstags standen dann nochmal ein Freies Training, das Qualifying1 und das Nachttraining auf dem Plan.
Alles verlief soweit ordentlich ohne große Zwischenfälle.
Wir waren schnell, konstant und das Feeling wurde immer besser.
Nach dem Q1 waren wir dann erstmal auf P33 von 60 startenden Teams.
Im Nachttraining experimentierte ich noch mit verschiedenen Visieren, um mich fürs Rennen zu entscheiden.

Freitags hatten wir dann nur das Q2 auf dem Plan.
Danny hatte wie immer als erstes seine 20min.
Danach kam ich.
Alles lief soweit gut.
Runde für Runde wurde ich schneller.
Dann hatte ich einen Highsider abgefangen, den mir das Getriebe fast eingebrockt hätte.
Ich beschleunigte im 2ten Gang aus der Museumskurve heraus, dabei muss man, bei 100% Volllast, in leichter Schräglage in den 3ten Gang schalten.
Dabei zwickte das Getriebe kurz und legte die dritte Welle verzögert ein.
Ich schleuderte aus dem Sattel und konnte mich aber, zum Glück, noch gut genug festhalten.
Zurück in der Box erzählte ich meinem Teamchef Robert von dem „Glück im Unglück“.
Allerdings war MO schon auf dem Weg raus auf die Strecke.
Da hatten wir erneut Glück.
Denn bei ihm schaltete das Getriebe unter Volllast gar nicht mehr.
Er brach sein Q2 direkt ab.
Somit stand für uns Startplatz 40 von 60 fest.
Für das Team stand somit ein Getriebetausch und Kontrolle aller Bauteile auf dem Plan.

Samstag früh dann noch ein kleines WarmUp.
Getriebe flutsche wieder!!!
Somit alles „Ready to Race“!!!

Rennstart 15:00

Danny machte den Start.
Leider fiel er diesmal etwas zurück.
Aber er riss sich den A**** auf und kämpfte sich wacker zurück.

Als nächstes war ich an der Reihe.
Der Turn an sich verlief gut und konstant.
Aber ich fand keinen richtigen Fluss und vergeudete somit unnötig Kraft.
Ich vergaß auch vorm Rennen zu essen und fühlte mich deshalb überhaupt nicht gut.
Nach dem Wechsel auf MO ging ich mich sofort kalt abduschen um meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen.
Direkt im Anschluss zwei Bananen in den Magen und eine kleine Cola hinterher.
Danach in gewohnter Manier wieder Wasser mit Vitamin C und Magnesium.
Zappzarapp war ich wieder fit.

MO machte während dessen einen top Job.
Nachdem wir alle jeweils 1x 1Std gefahren sind waren wir bereits auf P22

Jetzt einmal im Schnelldurchlauf über die Dämmerung bis mitten in die Nacht.
Nach 12Std Fahrt (03:00 Uhr) hatten wir bereits P18 erreicht.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Das Team machte einen super Job und alles lief perfekt.
Wir konnten alle samt in der Nacht gleiche Zeiten wie am Tag fahren.

Ach ja, eine Kleinigkeit hat sich zwischendrin mal eingeschlichen:

Die Ständeraufnahme für unseren Pneumatischen Zentralständer, welche sich zwischen Krümmer und Motor befindet, brach.
Das Team holte Danny deshalb gleich nach dem Stopp direkt nochmal rein, damit ihm das Teil während seines Turns nicht um die Ohren fliegt, Teile beschädigt oder ihn unnötig zu Sturz bringt.
Er kam rein, das Team tauschte die Aufnahme innerhalb 1:30 min + Volltanken und weiter ging‘s.

Weiter geht’s mit meinem besten Stint der um 10:15 startete.
Ich hatte einen richtigen Energieschub, nachdem die Sonne wieder am Himmel stand.
Strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen.
Das war die absolut beste Stunde im ganzen Rennen für mich.
Und dann konnte ich nach meinem Stint sogar noch Livebilder von Eurosport ankucken, die mir meine Freunde in meiner WhatsApp-Info-Gruppe zu den 24h Le Mans geschickt hatten.
Mann, war das geil!!!
Mittlerweile P15!!!

Mein letzter Turn war dann aber wirklich die Hölle.
Ich war mental und körperlich nach meinem total-Hoch nun in meinem total-Tief.
Am liebsten hätte ich mich vom Motorrad heben lassen.
Bis zum Ende gekämpft.

MO durfte dann bei seinem Teamdebüt das Rennen zu Ende fahren!!!

Danny, MO und ich konnten somit ein SUUUUPEEEER P13 bei den 24h Le Mans nach Hause holen.

8 WM Punkte gehen somit auf unser Konto.

P19 in der Weltrangliste (aktueller Meisterschaftsstand nach dem 2. Rennen)

Ein riesen Dankeschön geht jetzt natürlich noch ans gesamte Team.
Jeder von euch hat zu diesem Ergebnis beigetragen!!!
Ohne das passende Team können die Fahrer bei so einem Wettbewerb auch nix reißen.
Ihr habt mir das beste Ergebnis meiner Karriere ermöglicht.
Das war der absolute Hammer.
Perfekte Boxenstopps, Kaffee, gute Laune.
Auch das Team (nicht nur die Fahrer) waren schlaflos und mit den Kräften am Ende.

Danke an alle.

Keep on Stützgas
#79

Feierliche Eröffnung des legendären FIM EWC 24 heures Le Mans

#99 – Thommy

       

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IT-Netzwerktechniker
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